Zum Inhalt springen

Hüttengaudi, Skispaß, Insulin und Punsch

Mit Insulin auf der Piste, geht das? Na klar geht das. Hüttengaudi und Punsch auch noch dazu? Geht auch! Mit etwas Vorbereitung gibt es puren Skispaß ohne gefürchtete Hypos (Unterzucker).

Der perfekte Start in den Tag
Die perfekte Vorbereitung für einen langen Tag auf der Piste beginnt bei einem deftigen Frühstück. Ja richtig, es darf deftig sein. Langsamwirkende Kohlenhydrate, also alles aus der Vollkornabteilung (Brot, Gebäck, Getreideflocken) und einem fettreichen Belag oder fettreichem Joghurt mit Obst, versorgen den Körper langsam und nachhaltig mit Energie.

Insulindosisreduktion
Skifahren ist anstrengend und benötigt viel Energie. Und nicht nur das, körperliche Aktivität verstärkt die Insulinwirkung. Um wie viel genau lässt sich pauschal schwer beantworten, da es von mehreren Faktoren abhängig ist: Trainingszustand, Intensität und Dauer der Muskelarbeit, Umgebungstemperatur, letzte Mahlzeit und Vielem mehr. 

Eine Reduktion der Insulindosis, sowohl bei der Basal- als auch bei der Bolusgabe, ist empfehlenswert. Wie viel tatsächlich notwendig ist, hängt wieder sehr stark vom eigenen Körper und externen Faktoren ab. Zuwenig Insulin und dadurch zu hohe Blutzuckerwerte über 300mg/dl gilt es natürlich auch zu vermeiden.
Aber keine Sorge: Übung macht den Meister!

Auf die Bretter, fertig, los!
Zusätzlich zur verstärkten Insulinwirkung, durch den Sport, wird eine Unterzuckerung in höheren Lagen oft schlecht wahrgenommen. Daher lieber einmal öfter messen. Eine Messung vor der ersten Talabfahrt garantiert Pistenspaß ohne Unterbrechungen.

Liegt hier der Blutzucker bei:

  • 80 mg/dl mindestens 3-4 Zusatz-BE
  • 80-150 mg/dl mindestens 2 Zusatz-BE
  • 150-200 mg/dl steht dem Skivergnügen nichts mehr im Wege!

Die Kälte und das Equipment
Ob Pumpen-Träger oder Pen-Nutzer, das Insulin sollte unbedingt nahe am Körper getragen werden, da es Temperaturen unter zwei Grad nicht standhält. Skiunterwäsche mit kleinen Taschen bieten sich dazu hervorragend an. Das Messgerät selbst ist ebenfalls kälteempfindlich und sollte daher auch so nah wie möglich am Körper getragen werden. Auch das Blutzuckermessen kann bei kalten Temperaturen zur Herausforderung werden, wenn einfach kein Blut aus dem Finger kommen will. Da hilft eigentlich nur rubbeln und anhauchen. Auf der Skihütte kann das Wärmen an einer Tasse Tee ganz nützlich sein.

Après Ski bei schmankerln und Punsch
Bergluft macht hungrig und auch für Diabetiker gilt: freie Speisenauswahl. Die Hütten-Schmankerln sind meist wahre Kohlenhydrat-Bomben – das ist kein Problem, nur Achtung beim Insulin. Die Anstrengungen vom Skifahren können noch verzögert auf den Blutzucker nachwirken. Auch hier lieber einmal zu oft messen und eventuell den BE-Faktor reduzieren.

Foto_Blogpost01.jpg

Beim Genuss von Punsch, Glühwein und Co. ist zusätzliche Achtsamkeit geboten. Denn durch den Konsum von Alkohol kommt es zunächst zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Dieser fällt einige Zeit später aber auch sehr schnell wieder ab. Mit zu hohen Bolusgaben daher vorsichtig sein, vor allem wenn es nach der Hüttengaudi nochmal auf die Piste gehen soll. Den Alkohol auf jeden Fall mit einer kohlenhydratreichen Mahlzeit kombinieren und -weil’s wirklich so wichtig ist- damit es im Gedächtnis bleibt: aufs Messen nicht vergessen!

Achtung: nach ausgiebigem Sport oder Alkoholkonsum zeigt die Glukagon-Spritze keine Wirkung!

Ernährungstipp
Auf der Piste immer genügend extra Kohlenhydrate mit dabei haben. Hervorragend eignen sich Traubenzucker (ev. vorab schon auspacken und in eine kleine Pastillendose geben), Glukosegels oder Softdrinks. Diese griffbereit in der Jackenaußentasche aufbewahren. Wenn die SkikameradInnen in einem kurzen Briefing noch schnell zu „Hypo-ExpertInnen“ ausgebildet werden, steht dem Pistenspaß nichts mehr im Wege.

 

Deine Diätologin,
Andrea

 

Referenzen:
Esefeld, K. et al. Diabetes, Sport und Bewegung. Diabetologie 2017; 12 (Suppl 2): S212-217