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Diabetes-Mythen

Die 8 häufigsten Irrtümer über Diabetes im Check

Diabetes mellitus hat sich mittlerweile zu einer Volkskrankheit entwickelt. Weltweit leiden fast 415 Millionen Menschen an dieser Stoffwechselerkrankung1. In Österreich sind 600.000 Menschen betroffen, Tendenz steigend2.

Diabetes ist eine bereits sehr gut erforschte Erkrankung - dennoch halten sich viele Mythen sehr hartnäckig. Wir haben die wichtigsten Fakten rund um diese ernst zu nehmende Erkrankung für Sie zusammengefasst.

Diabetes-Folgeschäden in Zahlen

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  • Pro Jahr sterben in Österreich 10.000 Menschen an den Folgeerkrankungen von Diabetes. Die meisten Todesfälle sind auf Herzinfarkt und Schlaganfall zurückzuführen.
  • Jährlich müssen aufgrund von Diabetes 2.500 Amputationen durchgeführt werden.
  • Pro Jahr werden 300 Menschen aufgrund der Folgeschäden durch Diabetes dialysepflichtig.
  • 200 Menschen erblinden pro Jahr an den Folgen von Diabetes.

Schluss mit den Mythen rund um Diabetes!

Wir haben für Sie die 8 hartnäckigsten Mythen rund um Diabetes genau unter die Lupe genommen.

  1. An Typ 2-Diabetes erkranken nur alte Menschen - schließlich heißt die Erkrankung ja "Altersdiabetes"!
    Falsch. Die Bezeichnung "Altersdiabetes" ist seit einigen Jahren veraltet und sollte nicht mehr verwendet werden. Auch junge Menschen können an Typ 2-Diabetes erkranken - der Anteil an Kindern und Jugendlichen, die an Typ 2-Diabetes leiden, nimmt sogar stetig zu. Verantwortlich für diese Entwicklung ist ein ungesunde Lebensstil mit wenig bis gar keiner Bewegung und ungesunder Ernährung, sowie das darauf häufig resultierende Übergewicht. In vielen Fällen kann der Entwicklung von Typ 2-Diabetes durch einen gesunden Lebensstil vorgebeugt werden. Achtzig bis 90% aller Diabetiker leiden an Typ 2-Diabetes.

  2. An Diabetes stirbt man nicht. Tut ja auch nicht weh!
    Falsch. Diabetes verursacht pro Jahr mehr Todesfälle als Brustkrebs und AIDS zusammen. Zwei von drei Diabetikern sterben an den Folgen ihrer Erkrankung, wie z.B. Herzinfarkt und Schlaganfall4.

  3. Alle Diabetiker sind übergewichtig.
    Falsch. Es stimmt zwar, dass übergewichtige Menschen doppelt so oft an Diabetes erkranken wie normalgewichtige. Doch neben Übergewicht spielen auch andere Risikofaktoren eine Rolle, z.B. familiäre Veranlagung, Volkszugehörigkeit und Alter. Es gibt zudem viele übergewichtige Menschen, die nie einen Typ 2-Diabetes entwickeln. Andererseits sind viele Typ 2-Diabetiker nicht übergewichtig5.

  4. Wer viel Zucker isst, bekommt Diabetes.
    Falsch. Für die Entstehung von Diabetes verantwortlich sind genetische – also erbliche – sowie Lebensstilfaktoren (Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen etc.). Zudem spielt neben Zucker auch Fett eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Diabetes. So laufen auch Menschen, die keinen Zucker essen, täglich aber fettreiche Mahlzeiten zu sich nehmen, Gefahr einen Diabetes zu entwickeln. Studien haben gezeigt, dass gesättigte Fette und sogenannte "trans-Fette" den Blutzuckerhaushalts des Körpers stören und seine Reaktion auf Insulin behindern. Eine ausgewogene Ernährung ist daher essentiell zur Vorbeugung gegen Diabetes2.

  5. Typ 1-Diabetes wird vererbt.
    Teilweise richtig. Typ 1-Diabetes wird vererbt, aber nur zu einem geringen Anteil. Die Ursache von Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunreaktion, deren genaue Ursache noch nicht bekannt ist. Eine gewisse Rolle spielen Erbanlagen, jedoch erkrankt nicht jeder, der einen Elternteil mit Typ 1-Diabetes hat, auch selbst. Hat ein Elternteil Typ 1-Diabetes, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind erkrankt, bei 3 bis 5%. Sind beide Elternteile Typ 1-Diabetiker, steigt das Risiko auf 10 bis 25%6. Bei Typ 2-Diabetes gibt es in mehr als 70% der Fälle bereits einen oder mehrere Diabetiker in der Familie, vor allem die Mutter kann die Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit vererben. Gerade wenn es bereits Diabetiker in der Familie gibt, ist ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener, fettarmer Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Vermeidung bzw. Verringerung von Übergewicht sehr wichtig2.

  6. Der HbA1c-Wert ist entscheidend für die Lebenserwartung eines Diabetikers.
    Teilweise richtig. Mit einem niedrigen HbA1c-Wert sinkt die Gefahr für eine Schädigung der Arterien7. Entscheidend für die Lebenserwartung ist aber auch das Herz-Kreislauf- Risiko, das sich aus folgenden Faktoren zusammensetzt: Blutdruck, Cholesterin, HbA1c und familiäres Arteriosklerose- Risiko. Und natürlich spielt Rauchen als Risikofaktor eine Rolle für die Lebenserwartung.

  7. Jeder Diabetiker muss Insulin spritzen.
    Teilweise richtig. Ein Großteil der Diabetiker ist insulinpflichtig. Bei Typ 1-Diabetikern ist Insulin die einzige Therapie-Maßnahme und somit lebensnotwendig. Viele Typ 2-Diabetiker jedoch können durch Lebensstiländerungen – d.h. mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung – ihren Blutzucker senken. Wenn dies nicht zu einer ausreichenden Verbesserung der Blutzuckerwerte führt, wird der Typ 2-Diabetes zunächst mit Tabletten (orale Antidiabetika) behandelt. Da die Erkrankung meist progressiv ist, also weiter voranschreitet, müssen die meisten Typ 2-Diabetiker im Lauf der Zeit Insulin spritzen8. Eine rechtzeitige Insulintherapie ist dabei sehr wichtig, um Folgeschäden wie Amputationen, Erblinden und das diabetische Fußsyndrom zu vermeiden9.

  8. Insulin zu spritzen tut weh.
    Falsch. Viele Menschen haben Angst vor Spritzen, das ist ganz natürlich. Mit der richtig erlernten Spritztechnik schmerzt das Verabreichen von Insulin allerdings nicht. In den letzten Jahren wurden Insulin-Pens und -Spritzen kontinuierlich verbessert, sodass die Handhabung äußerst einfach ist8. Für die meisten insulinpflichtigen Diabetiker steigert die Insulintherapie die Lebensqualität erheblich und das Spritzen geht mit der Zeit in den normalen Alltag über.
    • Tipps zum richtigen Spritzen von Insulin: Die Injektionsstelle soll bei jeder Verabreichung gewechselt werden. So kann sich die Haut zwischen den Injektionen erholen und Hautirritationen werden vermieden. Besonders wichtig ist es, für jede Verabreichung eine neue Nadel zu verwenden. Die sehr feine Insulinnadel wird schon bei der ersten Injektion stumpf. Eine neue Nadel sorgt für eine schmerzfreie Injektion10
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Quellen

  1. de.statista.com/statistik/daten/studie/256852/umfrage/praevalenz-und-fallzahlen-von-diabetes-und-glukosetoleranzstoerungen-weltweit/
  2. Österreichische Diabetes-Gesellschaft: FACE DIABETES: http://www.facediabetes.at/zahlen-und-fakten.html
  3. Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher, Prim. Dr. Reinhold Pongratz: Zeitbombe Zuckerkrankheit, Gesund werden. Gesund bleiben. Band 6, 2015
  4. http://www.diabetesde.org/index.php?id=9241
  5. Deutsche Diabetes-Hilfe: http://www.diabetesde.org/fileadmin/users/Patientenseite/PDFs_und_TEXTE/Infomaterial/CL_diabetesDE_Diabetes-Mythen.pdf
  6. http://www.diabetes-deutschland.de/typ1diabetes.html
  7. Sonja Böhm: Typ-1-Diabetes – immer noch kostet er zu viele Lebensjahre, in: Medscape, 2013. http://deutsch.medscape.com/artikel/4901499
  8. Diabetes Austria: https://www.diabetes-austria.com/dyn/userfiles/pdf/100fragen_antworten_Buchkapitel.pdf
  9. Bundesministerium für Gesundheit: Österreichischer Diabetesbericht 2013: https://www.oedg.at/pdf/diabetesbericht_2013.pdf
  10. http://www.diabetes-ratgeber.net/Insulin/Insulin-richtig-spritzen-54136_6.html